INTEGRIERTES DATENMANAGEMENT

INTEGRIERTES DATENMANAGEMENT ERLEICHTERT VERKEHRSPROGNOSEN FÜR DIE PLANUNG

Noch in den neunziger Jahren waren für die systematische Wirkungsanalyse in der Verkehrsplanung aufwändige Grundlagenarbeiten erforderlich. Die älteren Kollegen können sich gut erinnern, welcher manuelle Aufwand betrieben wurde. Allein der Aufbau der Verkehrsnetzmodelle erforderte eine umfangreiche händische Verschlüsselung der möglichen Fahrbeziehungen in den Verkehrsnetzen. Dazu kam der detaillierte Aufbau der Netzeigenschaften mit den Fahr- und Wartezeiten. Vergleichbare Anstrengungen mussten beim Aufbau empirischer Verflechtungsmatrizen und bei der siedlungsstrukturellen Datenbasis getrieben werden. Auch die Bedienoberflächen der Softwareprodukte erscheinen in der Erinnerung wie Relikte aus der Steinzeit.

Längst vergessen sind diese aufwändigen Grundlagenarbeiten, liegen doch heute fast alle benötigten Daten in Geografischen Informationssystemen, Datenbanken oder anderen elektronischen Quellen vor. Auch die Akteure im öffentlichen Personennahverkehr bedienen sich der Fülle der leicht zugänglichen Grundlagendaten und bauen Nahverkehrsdatenbanken, Haltestellenkataster und andere komplexe Datenmanagement- und Informationssysteme auf. Diese umfassen die betrieblichen Daten mit den Fahrplänen sowie der geografischen Lage und den Eigenschaften der Haltstellen. Mit der Nutzung routingfähiger Vektordaten lassen sich die geografischen Informationen zu den Verkehrsnetzen realistisch in anschaulichen Karten abbilden. Die aufwändige Verschlüsselung in Verkehrsnetzmodellen ist dabei nahezu vollständig entfallen.

Ebenso werden in den Datenmanagement- und Informationssystemen über die Zeitachse die Verkehrsnachfragedaten aus Zählungen und Befragungen kontinuierlich aktualisiert. Die ohnehin für die Angebotsplanung, die Einnahmeaufteilung oder für staatliche Ausgleichszahlungen durchgeführten Erhebungen werden in einem integrierten Ansatz in das Datenmanagement einbezogen. Technische Systeme für die Fahrgastzählung ersetzen schon heute einen Teil der manuellen Erhebungen. Mit dem elektronischen Ticketing bieten sich weitere Quellen für eine qualitative Ausweitung eines integrierten Datenmanagements an. Auch wenn die Anwendungsfelder damit noch nicht erschöpfend beschrieben sind, könnte der Verkehrsforscher leicht in Euphorie verfallen.

Doch tatsächlich bietet ja ein integriertes Datenmanagement auch völlig neue Möglichkeiten, die über die traditionelle singuläre verkehrsplanerische oder verkehrswirtschaftliche Datenauswertung hinausgehen. Allein schon die im Tagesgeschäft möglichen ad-hoc-Auswertungen zu Einzelfragen haben bereits heute den Nutzen aus den mit nicht geringem wirtschaftlichen Einsatz erzeugten Daten gesteigert.

Dennoch ist das Ende der Möglichkeiten noch nicht erreicht. Die traditionellen Planungsmodelle zur Verkehrsnachfrage und zur Verkehrsumlegung der Verkehrsplanung lassen sich leicht in das Datenmanagement einbeziehen. Dabei sollte man allerdings nicht in den Fehler verfallen, eine einfache Koppelung mit dem Datenmanagement vorzusehen. Vielmehr sollten die Planungsmodelle in kreativen Konzepten die Möglichkeiten qualitativ verbesserter Datengrundlagen ausschöpfen und in das Datenmanagement integriert werden.

Im Hinblick auf die Verkehrsnachfrage werden vergleichbare Anforderungen an die Analysetools in Datenmanagementsystemen und an die Differenzierung der Auswertungen von Prognoserechnungen gestellt. Daher ist es sehr naheliegend, auch auf identische Softwaretools zurückzugreifen.

Durch die Integration von Verkehrsplanungsmodellen in das integrierte Datenmanagement werden Arbeitsabläufe für verkehrsplanerische Modellrechnungen zum Teil wesentlich vereinfacht. Die Datengrundlagen werden in den Datenmanagementsystemen gepflegt und aktualisiert. Verflechtungsdaten der Verkehrsnachfrage könnten leicht durch kontinuierliche technische Zählungen fortgeschrieben werden.

Der vorgeschlagene Ansatz wird den Möglichkeiten der verbesserten Datenlage aus einem integrierten Datenmanagement gerecht. Damit werden zusätzliche Synergien generiert und die Arbeitsabläufe insgesamt verschlankt.

Dr.-Ing. Bernhard Keppeler ist Geschäftsführer von GVS – Gesellschaft für Verkehrsberatung und Systemplanung mbH mit Sitz in Hannover.

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